Eine Sammlung von Materialien zum Thema Global Marshall Plan.
Eine Einführung in den Global Marshall Plan von F.J. Radermacher
Eine Sammlung von Materialien zum Thema Global Marshall Plan.
Eine Einführung in den Global Marshall Plan von F.J. Radermacher
Februar 27, 2008 um 12:09 |
Kurze Zusammenfassung des heutigen Inputs zum Thema „Wie bewerten Experten aus ‘Entwicklungsländern’ den Global Marshall Plan?“
Sind die Maßnahmen, die der Global Marshall Plan vorschlägt, gut für globale nachhaltige Entwicklung? Ich versuchte, einige Kernideen des Konzepts des Global Marshall Plan mit Hilfe von Meinungen von Experten aus Entwicklungsländern – also Ländern mit einem Human Development Index unter 0,8 – zu evaluieren. Von etwa 450 angeschriebenen Experten füllten acht den (langen und fachlich recht anspruchsvollen) Fragebogen aus. Sechs von diesen füllten auch den Teil des Fragebogens, in dem es um die Evaluierung von Aspekten des Global Marshall Plan ging, aus. Von den Antworten der Experten auf diesen letzten Teil folgt hier eine kurze Zusammenfassung:
1. Das Konzept der „ökosozialen Marktwirtschaft“, also einer Marktwirtschaft innerhalb ökologischer und sozialer Regeln:
„Durchschnittsnote“ 1,7 , also großteils Zustimmung – Teilnehmer aus Malawi erinnerten aber daran, das kleine Produzenten auch Schutz brauchen und nicht einfach dem „rauhen Wind“ des Marktes ausgeliefert werden sollen.
2. Das Konzept „Standards und Kofinanzierung“:
Durchschnittsnote 2,17. Zustimmung z.B. aus Guatemala: das damit einhergehende „commitment“ zu Entwicklungszielen ist erfolgversprechend.
Zustimmung auch aus Malawi, aber: Ländern muss technische Assistenz (capacity building) gewährt werden, damit sie diese Standards auch erreichen können, anstatt sie hinterher dafür zu bestrafen, dass sie sie nicht einhalten konnten.
Mehr Skepsis (Note 3) aus Peru und aus dem Congo (Brazz.): Standards als Ausrede für wirtschaftlichen Protektionismus und für die Überschwemmung der Märkte armer Länder mit Produkten aus den reichen Ländern; oder als Alibi dafür, unliebsamen Regierungen willkürlich Gelder vorzuenthalten.
3. Zum Finanzierungskonzept:
vier Teilnehmer fanden es „ambivalent“, zwei „sehr gut“, somit ergibt das Durchschnittsnote 2,3.
Die Grundidee, dass dieses Geld (100 Milliarden US$) jährlich aufgebracht werden, kam gut an, aber: ein Teilnehmer aus Afrika äußerte Bedenken gegen die Besteuerung des Flugverkehrs (dies hat wohl mit der Befürchtung zu tun, dass so die Mobilität eingeschränkt wird); zwei Teilnehmer aus Mittelamerika mahnten, dass genau geschaut werden muss, wo dieses Geld ankommt – die Sorge kam zur Sprache, dass es irgendwo versickert.
4. Engere Verbindung zwischen Bretton Woods Institutionen und WTO einerseits und UN (mitsamt ihren specialized agencies) andererseits z.B. durch die Integration der ILO-Kernarbeitsnormen in die WTO:
Durchschnittsnote 1,16: Diese Maßnahme kam bei den befragten Experten also am besten an, wurde aber kaum kommentiert.
Sonstiges: Immer wieder sprachen mehrere Experten die Notwendigkeit einer Verschränkung und Zusammenarbeit der Akteure auf allen Ebenen (lokal, national, regional, global) an. Dabei soll v.a. darauf geachtet werden, dass die Bedürfnisse der Menschen auf der „untersten“ Ebene (grassroot level) Gehör finden und in ein entstehendes global governance – System integriert werden.
„Notenschlüssel“: 1 = sehr gut für globale nachhaltige Entwicklung; 2 = eher gut; 3 = ambivalent; 4 = eher schlecht; 5 = sehr schlecht